Le Gratie d'Amore
Ich, Cesare Negri Milanese, genannt Il Trombone
berühmter und hervorragender Tanz-Professor seiner Hoheit des Prinzen Rudolph,
der späteren Majestät der zweiten dieses Namens,
erlaube mir Sie zur Präsentation meiner 400 Jahre alten Balli
aus der Sammlung Le Gratie d'Amore einzuladen in der Interpretation der Ensemble
Musik und Gesang: Collegium Marianum, Leiterin Jana Semerádová
Premiére: 21.7.2002, Wallenstein-Garten, Prag, Sommerfest alter Musik 2002 Prag
Der Titel Le Gratie d'Amore (Die Anmut der Liebe) ist vom Traktat des Tanzmeisters Cesare Negri aus Milan übernommen. Sein Jubiläum - die erste Ausgabe ist im Jahre 1602 erschienen - hat auch für uns Prager seine Bedeutung. In der National Bibliothek hat sich nämlich ein Exemplar der erweiterten Ausgabe Nuove inventioni di balli erhalten, und zwar mit einem Ex Libris eines Höflings Rudolph II., und es ist auch sicher, dass sein Hof-Tanzmeister Carlo Beccaria, Schüler des Negri, die dort beschriebenen Tänze zwischen der vornehmen Gesellschaft Prags verbreitete. Rudolph selbst hat als elfjähriger Negri´s Balli getanzt, als er mit seinem jüngeren Bruder an den Weihnachtslustbarkeiten im Jahre 1563 im damals habsburgischen Milan teilnahm.
Das Tanzlehrbuch Le Gratie d'Amore enthält ausser der Beschreibung von Tanzschritten und Verbeugungen 34 originale Balli und Balletti. Ballo oder Balletto ist eine kleine choreographische Form für 2 - 12 Teilnehmer, welche schon die Tanzmeister des 15. Jahrhunderts eingeführt haben. Die Titel waren oft von populären Liedern übernommen, die als Basis der Tanzmelodien dienten, zBsp. Bizzaria d'Amore . Manchmal betrafen sie den Inhalt oder Charakter des Tanzes, zBsp. Il Gratioso oder La Caccia d'Amore (Jagd der Liebe), wo die Herren die Damen inmitten eines Spalieres jagen. Dieses Motiv ist aber älter als Negri´s Ballo und es hat sich auch in mehreren europäischen Volkstänzen erhalten (zBsp. Katze und Maus).
ie meisten Balli wechseln zwei- und dreiteiligen Takt und ändern das Tempo einzelner Tanzsegmente als eine sehr kleine Suite verschiedener Tanzrhythmen. In unserer Folge sind es Il bianco fiore und Brando di Caleshier eine ungewöhnliche asymetrische Einführung einzelner Paare statt. Nur einer der Tänze wurde von Negri nicht "choreographiert". Es ist die provençalische Nizzarda, von der er nur einige Schritte beschreibt, von denen die Tänzer wählen konnten um ihre Geschicklichkeit bei den Sprüngen der Tänzerin zu zeigen.
Negri´s Werk hat viele Spezialisten angezogen, unter ihnen auch Véronique Daniels aus Basel, von der wir einiges von seinem Tanz und Musik übernommen haben. Unsere wie auch ihre Bemühungen zielen dazu, dass seine 400 Jahre alten Tänze in womöglich treuer Rekonstruktion wieder aufleben und wir hoffen, dass sie auch bei dem heutigen Publikum Anerkennung finden.
Eva Kröschlová
Um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts wurde Prag durch die Vorlieben des Kaisers Rudolph II. zur Mekka europäischer Künstler aller Art. In die Residenz-Stadt kamen ausgezeichnete Maler, Bildhauer, Architekte, Meister verschiedene Handwerke. Auch eine Reihe von Musikern hat sich in Prag geltend gemacht - Rudolph II. hat eine berühmte und zahlreiche Capella Rudolphina unterhalten. Obgleich in seiner Jugend Musik und Tanz zu seiner allgemeinen Bildung gehörten, im höheren Alter hatte er für diese Künste keine Vorliebe (er wurde nach und nach lautscher).
Der Milaner Tanzmeister Cesare Negri widmete der Ausgabe seines Traktates 1602 viel Sorge. So sind uns ausser etlichen Radierungen der Tanzfiguren auch Musikstücke, die den Tanz begleiteten, erhalten geblieben. Freilich nur in groben Umrissen einfacher Lauten-Tabulaturen oder eines einzelnen Instruments. Die Tänze aber gehörten zur laufenden Musik-Produktion der Zeit und so ist es uns gelungen mehrstimmige und meistens vollkommenere Versionen in verschiedenen Sammlungen vom Ende des 16. Jahrhunderts zu finden. Oft handelt es sich nämlich um beliebte Lieder von Spitzen-Komponisten der späten Renaissance (Orazio Vecchi, Giovanni Giacomo Gastoldi).
Das Buch Cesare Negri´s ist im Konvulat von 16 Musik-Drucken erhalten, welche sich bald nach ihrem Erscheinen der kaiserliche Hofrat Godefridus Troilus á Lesoth nach Prag zuschicken liess. Aus dieser unikaten Quelle stammt auch die zweistimmige Canzonetta Das Buch Cesare Negri´s ist im Konvulat von 16 Musik-Drucken erhalten, welche sich bald nach ihrem Erscheinen der kaiserliche Hofrat Godefridus Troilus á Lesoth nach Prag zuschicken liess. Aus dieser unikaten Quelle stammt auch die zweistimmige Canzonetta von Antonia Brunelli, des Organisten und Kapellmeister von Pisa, und so auch das Lied Filli dolce pastorella om Komponisten Enrico Radesca di Foggia aus Turin. Zu den vorderen rudolphinischen Musikern gehörte Jacob Regnart, zweiter Kapellmeister der kaiserlichen Capella, der ausser polyphoner geistlicher Kompositionen mehr als sechzig dreistimmige deutsche Villanellen auf neapolitaner Art komponierte, welche uns heute mit ihrem exotischen "sound" anzieht, der durch öftere paralelle Kvintakkorde nach neapolitaner Praxis verursacht ist.
Um das Jahr 1580 erscheint am Hofe Rudolph II. Alessandro Orologio, der in der Capella Rudolphina als "Trompeter und Musicus" wirkt. Er war vor allem als Spieler auf Blasinstrumente berühmt und in die Musikgeschichte hat er sich mit seinem Intraden (1597) eingeschrieben. Der Druck seiner dreistimmigen Canzonetten aus dem Jahre 1596 ist dem Fürsten von Braunshweig gewidmet.
Genau so geehrter maestro di capella am Hofe Rudolph II. Phillip de Monte hat sich ausser komplizierter polyphoner Konstruktionen sakraler Kompositionen auch mit dem Komponieren von italienischen Madrigalen nach dem Muster von Jacob Arcadelt oder Luca Marenzio beschäftigt. Dessen Beleg ist auch ein "süssschmerzliches" Liedchen a i pomi un tempo a lui aus dem Jahre 1581.
Der leipziger Landsmann Valerius Otto wirkte als Organist bei der Tein-Kirche der prager Altstadt. Auch wenn wir nicht wissen, wie lang er hier lebte, ist seine Sammlung Newe Paduanen, Galliarden, Intraden und Currenten (Leipzig 1611), welche er so wie Orologio dem Fürsten von Braunschweig widmete, in Prag erhalten geblieben und so können wir annehmen, dass seine fünfstimmigen Tänze hier aufgeführt wurden.
Přemysl Vacek
Program:
| Valerius Otto (1579 - ?) | Intrada (1611) |
| Enrico Radesca di Foggia (+ 1625) | Filli dolce pastorella (1616) |
| Cesare Negri (1536 – 1604?) | Brando di Cales (1602) |
| Cesare Negri | Bizzaria d'Amore (1602) |
| Jacobus Regnart (1540 – 1599) | Venus, du und dein kind (1583) |
| Cesare Negri | Il Gratioso (1602) |
| Cesare Negri | Il bianco fiore (1602) |
| Antonio Brunelli (cca 1575 – cca 1630) | O soave dolore (1614) |
| Enrico Radesca di Foggia (+ 1625) | Nizzarda Francese (1616) |
| Cesare Negri & Giacomo Gastoldi (+ 1622) | Alta Mendozza (1602) |
| Cesare Negri | Nizzarda (1602) |
| Cesare Negri & Orazio Vecchi (1550 – 1605) | So ben mi ch' a bon tempo (1602) |
| Alessandro Orologio (ca 1550 – ca 1633) | Per qual cagion havete (1596) |
| Cesare Negri | Ma i pomi un tempo a lui (1581) |
| Phillip de Monte (1521 – 1603) | La Caccia d'Amore (1602) |
| Cesare Negri | Ballo con le torcie (1602) |







