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Rudolfinské tance

Rudolphinische Tänze

Europäische Lieder und Tänze der Spät-Renaissance und Manierismus
Tanz: CHOREA HISTORICA, Leiterin Eva Kröschlová
Musik und Gesang: Collegium Marianum, Leiterin Jana Semerádová
Regie: Eva Kröschlová
Premiere 1.5.2004 Quadrum des Domes Aachen - Konzert im Rahmen des Festaktes "Aachen und Prag - Krönungststädte Europas" zur Aufnahme der Tschechischen Republik in die EU (Kulturverein Aachen - Prag).

In der Zeit Rudolf des II. (1552 – 1612) war Prag eines der europäischen Wissenschaft- und Kunst-Zentren. Der Kaiser des “römischen Reiches deutscher Nation“ war auch tschechischer König und hat seine Residenz aus Wien in sein beliebtes Prag versetzt. Damals hatte der Gesellschaftstanz in ganz Europa hohes Ansehen und wurde auch in Prag gepflegt, obwohl der Kaiser selbst am Tanz nicht teilnehmen wollte. Auch für Musik hatte er keine Vorliebe, jedoch hat er namhafte Komponisten zu seiner berühmten „Capella Rudolphina“ berufen ( Phillip de Monte, Jacobus Regnart, Alessandro Orologio u. a.).

In seiner Jugend hat er aber tanzen gelernt und als er mit seinem Bruder im Jahre 1563 die Weihnachtszeit im damals habsburgischen Mailand verbrachte, hat er an der Präsentation verscheidener Balli des Meisters Cesare Negri teilgenommen.

Ballo oder Balletto war eine Erfindung italienischer Tanzmeister schon im 15. Jahrhundert. Es war eine kleine choreografische Form für 2 – 12 vornehme Tänzer zu einer speziell bearbeiteten Musik-Komposition, die meist eine populäre Melodie ausgenützt hat (in der Spät-Renaissance auch beliebte Vokal- Kompositionen, zBsp. von Orazio Vecchi, G. G. Gastoldi u. a.). Analogien gab es dann auch in anderen europäischen Ländern. In Frankreich war es zBsp. der Aufritt von 4 Narren in Schwerttanz Les Bouffons.

Die meisten der heute vorgestellten Tänze sind Rekonstruktionen autentischer Choreographien aus berühmten Traktaten (Orchésographie von Thoinot Arbeau, 1588, und Le Gratie d´Amore von Cesare Negri, 1602), einige hat Eva Kröschlová choreografiert – mit Ausnützung autentischer Schrittmotive zu alter Tanz-Musik, derer Struktur sie die Struktur des Tanzes angepasst hat. Bei der Courante stand auch eine Beschreibung der Aktion dreier Liebespaare vom Vater Arbeau zur Verfügung und bei der Battaille Kampf) das Klatschmotiv eines Ballo La Caccia d´Amore (Liebes-Jagd) fest in der Choreographie von Cesare Negri eingebaut. Das Jagen des Mädchens zwischen einem Spalier der übrigen Tanzpaare ist längst im europäischen Volkstanzgut enthalten – „Katze und Maus“.

Im Anfang unseres Konzertes stehen nach der Intrade vom Organisten der prager Teinkirche Valerius Otto zwei „Standard-Tänze“ der Renaissance, die zeremonielle Pavane (in Deutschland manchmal auch Pfauentanz genannt, lat. Pavo – Pfau) und die springende Gaillarde (ital. gagliardo – übermütig, lustig, kräftig). Beachtung verdient auch die provençalischeVolte (franz. voltiger – herumfliegen), in deren hohem Sprung die englische Königin Elisabeth I. gerühmt wurde.

Das Konzert schliessen wir mit alten französischen Volkstänzen, die im 16. Jahrhundert zwischen dem Adel beliebt waren. Wenn Sie Lust haben, können Sie nachher zwei leichte Tänze – den Holzschuh-Branle und den Erbsench-Branle - mit uns tanzen und sich für eine Weile auf einen Adelshof der rudolphinischen Zeit versetzen.

 

Programm:

Valerius OttoIntrada (1611)
Thoinot ArbeauPavane et gaillarde (1588)
Jacobus RegnartVenus, du und dein kind (1583)
Tielman SusatoLa Battaille (1551) *
Enrico Radesca di FoggiaFilli dolce pastorela (1616)
Cesare NegriIl Bianco Fiore - ballo in 4 (1602)
Fabritio CarosoBassa Pompilia - ballo in 2 (1581)
C. Negri a G.GastoldiAlta Mendozza - ballo in 2 (1602)
C. Negri a Orazio VecchiSo ben mi ch´a bon tempo - balletto in 2 (1602)
Enrico Radesca di FoggiaNizzarda francese (1616)
Cesare NegriLa Caccia d´Amore - ballo in 6 (1602)
 
Přestávka
 
Th. Arbeau a J. d´EstréeLes Bouffons (1588)
Claude GervaiseGalliarde de la Guerre (1557)
Michael PraetoriusLa Volta (1612)
Tielman SusatoBergerette (1551) *
Claude GervaiseTourdion (1530)
Michael PraetoriusCourante (1612) *
M. Praetorius a Gasparo ZanettiBranle de la torche (1612 a 1645) *

Tänze, die mit * bezeichnet sind - Choreographie Eva Kröschlová
Rekonstruktion der Tänze: Véronique Daniels, Barbara Sparti, Dorothée Wortelboer, Eva Kröschlová